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Seit den 70er Jahren beschäftigt sich Rune
Mields mit der
Mathematik. Dabei illustriert sie keine
Rechenbeispiele, sondern folgt ihrem großen
Thema, dem
Leben als sich stetig weiterentwickelnde
Schöpfung, konkreter,
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den
Gesetzmäßigkeiten, nach denen sich in der
Vorstellung der Menschen verschiedener
Kulturen diese strukturiert und organisiert. Die Zahl liegt dem Universum zugrunde, auf
Zahlen bauen sich die Gesetzmäßigkeiten auf,
nach denen alles, was ist, seine Form findet.
In visuellen Zeichen bringt der Mensch sein
Denken auf die jeweils kürzeste und
präziseste Formel.
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Zahlen und Zeichen sind
auch die grundlegenden Vehikel der
non-verbalen Kommunikation und die
Grundelemente ihrer Bilder. Die Visualisierungen von
Zahlen, aber auch von bestimmten
Gedankeninhalten, durch ihre - je nach Kultur,
in der und für die sie entwickelt wurde,
spezifische - zeichnerische Umsetzung werden
durch die Bild-Serien von Rune Mields
vergleichbar. Das einzelne Bild dagegen, das
Resultat eines Ineinandergehens von
Abstraktion und Konkretion, wird zum Symbol
kultureller Identität.
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Die
Mathematik dient der Reduktion und
Systematisierung dessen, was denkbar ist und
ist insofern vorbildlich für viele weitere
Wissenschaften. In der Wissenschaftsgeschichte
gilt sie als die Wissenschaft mit dem
höchsten Grad an Wahrheit. Während
Arithmetik und Geometrie im Mittelalter zu den
sieben freien Künsten gehörten, scheinen
heute Kunst und Mathematik Gegensätze zu
sein. Die Kunst heute gilt als sensualistisch
und intuitiv, jeder unvorgebildete Laie
möchte sie verstehen können. Die Mathematik
dagegen wird als Expertenwissenschaft gesehen,
die man nicht verstehen muss, die allein dem
technischen Fortschritt zu dienen hat. Mit
Mathematik und Kunst stehen sich scheinbar
also Rationalismus und Irrationalismus,
Kalkül und Emotion, Wirklichkeitssinn und
Fantasie gegenüber. Trotzdem sind Parallelen
durchaus vorhanden: Da die Mathematik Wahrheit
und Klarheit besitzt, entspricht sie auch der
traditionellen Definition von Schönheit, kann
eine mathematische Lösung sogar die Eleganz
und die Harmonie eines Kunstwerks ausstrahlen.
Und wie Künstler sich dem Prinzip des l'art
pour l'art widmen, denken auch Mathematiker um
des Denkens Willen oder erfahren es als
ästhetisches Erlebnis, wenn eine Primzahl
entdeckt, eine Lösung gelungen, ein Beweis
geglückt ist.Trotzdem sind Parallelen
durchaus vorhanden: Da die Mathematik Wahrheit
und Klarheit besitzt, entspricht sie auch der
traditionellen Definition von Schönheit, kann
eine mathematische Lösung sogar die Eleganz
und die Harmonie eines Kunstwerks ausstrahlen.
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Und wie Künstler sich dem Prinzip des l'art
pour l'art widmen, denken auch Mathematiker um
des Denkens Willen oder erfahren es als
ästhetisches Erlebnis, wenn eine Primzahl
entdeckt, eine Lösung gelungen, ein Beweis
geglückt ist.
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Mit Mathematik und Kunst
stehen sich scheinbar also Rationalismus und
Irrationalismus, Kalkül und Emotion,
Wirklichkeitssinn und Fantasie gegenüber.
Trotzdem sind Parallelen durchaus vorhanden:
Da die Mathematik Wahrheit und Klarheit
besitzt, entspricht sie auch der
traditionellen Definition von Schönheit, kann
eine mathematische Lösung sogar die Eleganz
und die Harmonie eines Kunstwerks ausstrahlen.
Und wie Künstler sich dem Prinzip des l'art
pour l'art widmen, denken auch Mathematiker um
des Denkens Willen oder erfahren es als
ästhetisches Erlebnis, wenn eine Primzahl
entdeckt, eine Lösung gelungen, ein Beweis
geglückt ist.
Die Reduktion auf die Nicht-Farben Schwarz und
Weiß ist nicht nur typisch für die Malerei
von Rune Mields, sondern notwendig. Nur so
sind die drei Aspekte des Bildes mit einem
größtmöglichen Anteil von Wahrheit
übermittelbar.
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Die Bildoberfläche
scheint makellos glatt, der Farbauftrag mehr
Schein als Materie: Keine Illusion von
Emotion entsteht, keine Andeutung von einer
über das Bild hinausführenden Erzählung.
Und trotzdem sind die Bilder das Resultat
eines langwierigen, sehr persönlichen
Denk-Mal-Prozesses und alles andere als anonym
unbewegt. Die malerische Spur ist zwar
mikroskopisch klein und unendlich fein, wie zu
kleinsten Teilchen atomisiert, aber vorhanden
und da ist sie immer noch. |
Auch
die jüngste Serie dreht sich um Verstehen und
Verständigung im Beziehungsgeflecht von
Zahlen und Zeichen. Ihr Thema sind die
mathematischen Symbole; Zeichen also, die
nicht kulturell verschieden, sondern
international sind. Für die Mathematik
bedeutete die Einführung von Symbolen eine
erhebliche Erleichterung auch deshalb, da
Zusammenhänge mit Worten erklärt nur schwer
vorstellbar waren, nun aber mit einem Blick
erfasst werden konnten. Das Minus- und das
Pluszeichen beispielsweise wurde im Jahre 1489
von Joh. Widmann "erfunden", das
liegende Kreuz als Multiplikationszeichen 1628
von William Oughtred, das Gleichheitszeichen
wurde im Jahr 1557 von Robert Recorde
eingeführt.
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Diese und andere Zeichen
- die Bildserie von Rune Mields umfasst bisher
18 Zeichen - sind soweit Allgemeingut
geworden, dass weder ihre Schönheit, noch
ihre historische oder philosophische Bedeutung
je bedacht werden. Hier nun inspiriert ihre
Schönheit, die in Maß und Proportion der
visuellen Gestalt wie in der Eindeutigkeit
ihrer Funktion liegt, vielleicht zu neuer
Betrachtung.
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Rune Mields
wird 1935 in Münster, Westfalen,
geboren, wo sie im Jahr 1952 eine
Lehre als Buchhändlerin beginnt
und diesem Beruf bis 1959
nachgeht.
Zwischen 1957 und 1962 erblicken
ihre vier Kinder das Licht der
Welt, und bis Anfang der siebziger
Jahre prägen Ortswechsel das
Leben der Familie (1959
Badenhausen/Harz, 1962 Berlin,
1965 Aachen). Im Jahr 1972 läßt
sie sich in Köln nieder. Seit
Ende der sechziger Jahre arbeitet
Rune Mields, die Autodidaktin ist,
als freischaffende Künstlerin.
Erste Einzelausstellungen in Köln
(1967 Studio Köln-Junkersdorf),
Berlin (1968 Galerie Hammer) und
Düsseldorf (1969 Galerie Hekuba)
sind Beleg für ihre frühe
künstlerische Tätigkeit.
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Es folgen
arbeitsintensive Jahre, und 1984
erhält die nun etablierte
Künstlerin eine Gastprofessur an
der Hochschule der Künste in
Berlin. Fünf Jahre später wird
sie Ehrengast der Villa Massimo in
Rom. Mields stellt in zahlreichen
Ausstellungen ihre Arbeit immer
wieder zur Diskussion. Die
Staatliche Kunsthalle Baden-Baden
richtet der Künstlerin zusammen
mit dem Kunstverein Bonn 1988 die
bislang umfangreichste
Einzelausstellung aus. Rune Mields
lebt und arbeitet in der Stadt
Köln, die ihr 1997 den
Kulturpreis verliehen hat.
Auszeichnungen
1972
Kritikerpreis für Bildende Kunst
1984 Ehrengast der Villa Massimo,
Rom
1996 Harry-Graf-Kessler-Preis
1997 Kulturpreis Köln
2000 Gabriele Münter Preis |
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