Wissenschaftler des MPIfG stellen ihre Sicht auf die aktuellen Entwicklungen in den kapitalistischen Wirtschaftssystemen zur Diskussion.
2012
Jens Beckert, Wolfgang Streeck Die Fiskalkrise und die Einheit Europas
Aus Politik und Zeitgeschichte 4/2012 | 23.1.2012
Die Finanzkrise von 2008 und die anschließende, bis heute andauernde Fiskalkrise der westlichen Industriegesellschaften haben ein Maß an Turbulenz in die nationale und internationale Politik gebracht, wie man es seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr gekannt hat.
2011
Wolfgang Streeck "Das Dopingregime des Pump-Kapitalismus ist lebensgefährlich"
Zeit Online | 28.12.2011
MPIfG-Direktor Wolfgang Streeck beschreibt im Zeit Online-Interview die vier Phasen wirtschaftlicher Krisenbewältigung seit den siebziger Jahren. Von den technokratischen Übergangsregierungen in Südeuropa erwartet er nicht viel.
Jens Beckert, Christoph Deutschmann Es gibt zu viel Vermögen
Handelsblatt | 15.12.2011
Die Schuldenkrise ist die Kehrseite eines übermäßigen Aufbaus an Vermögen, das durch keine Substanz gedeckt ist. Sie ist daher nur lösbar, wenn die Vermögen reduziert werden.
Fritz W. Scharpf Zurück zu nationalen Währungen
Cicero online | 8.12.2011
Merkel will härtere Stabilitätskriterien in der EU durchsetzen, Frankreich fordert eine stärkere Rolle der EZB. Eine Änderung der europäischen Verträge zu diesem Zeitpunkt wäre einseitig und falsch, sagt der Politikwissenschaftler Fritz W. Scharpf im CICERO-ONLINE-Interview. Statt schärferer Stabilitätskriterien wünscht er sich vom EU-Gipfel, dass die Europäische Zentralbank verstärkt Staatsanleihen aufkaufen darf.
Fritz W. Scharpf Mit dem Euro geht die Rechnung nicht auf
MaxPlanckForschung | Heft 3/2011
Scheitert Europa, wenn der Euro kippt? Viele glauben das und versuchen, den Euro zu retten. Unser Autor hält dagegen: Wer mit dem Euro die europäische Integration bewahren will, der müsste die Eurozone auf den Kern der dauerhaft stabilitätsfähigen Mitglieder verkleinern – und den übrigen EU-Mitgliedern die Rückkehr zu dem flexiblen Europäischen Währungssystem ermöglichen.
Wolfgang Streeck Psychoterror: Die Märkte und die Staaten
Psychologie heute | Heft 10/2011
"Die Märkte" haben, was die hochverschuldeten Staaten heute händeringend brauchen: Geld. Doch sie geben es ihnen nur, wenn sie zu ihnen "Vertrauen" haben. Über die Psychopathologie einer paradoxen Abhängigkeit.
Daniel Mertens und Wolfgang Streeck Düstere neue Welt: Fiskalische Austerität und öffentliche Investitionen
Ökonomenstimme | 21.10.2011
In den meisten reichen Demokratien stehen die Regierungen zunehmend unter Druck, ihre Haushalte zu konsolidieren, während gleichzeitig die Zinslast steigt oder zu steigen droht und die potenziell "unbeweglichen Objekte" (Pierson 1998) staatlicher Politik einen wachsenden Anteil tendenziell sinkender Steuereinnahmen beanspruchen. Es stellt sich die Frage, inwiefern diese Regierungen unter den Vorzeichen fiskalischer Austerität in der Lage sind, das Niveau öffentlicher Investitionsausgaben zu halten, geschweige denn zu erhöhen. Dies gilt insbesondere für solche Investitionen, die auf neue gesellschaftliche Bedürfnisse antworten und darauf abzielen, Gesellschaften gerechter und effizienter zu gestalten.
Wolfgang Streeck The Crisis in Context: Democratic Capitalism and Its Contradictions
MPIfG Discussion Paper 11/15
Die sogenannte Finanzkrise von 2008 und die anschließende Krise der Staatsfinanzen müssen als jüngste Manifestation eines alten Konflikts zwischen Kapitalismus und Demokratie gesehen werden, der mit dem Ende der Wachstumsperiode der Nachkriegszeit neu aufgelebt ist. Vorläufer der heutigen politisch-ökonomischen Verwerfungen waren die Inflation der späten 1960er und der 1970er Jahre, die steigenden Haushaltsdefizite der 1980er Jahre und die zunehmende Privatverschuldung seit Mitte der 1990er Jahre. In allen Fällen waren demokratische Regierungen mit Forderungen nach steigenden Einkommen und sozialer Sicherheit konfrontiert, die mit einer Allokation von Ressourcen nach den Spielregeln freier Märkte unvereinbar waren.
Cornelia Woll Wer rettet die Banken? Staatliche Nothilfe im internationalen Vergleich
Beitrag im MPIfG Jahrbuch 2011-2012
Die schwindelerregenden Höhen der finanziellen Rettungsmaßnahmen, mit denen Industriestaaten ihre angeschlagenen Bankensektoren zu stützen versuchen, lassen nur wenige Beobachter
ungerührt. Auffällig sind die Unterschiede, die zwischen den nationalen Rettungspaketen bestehen, sowohl in der Art der Ausgaben wie auch in der Höhe der Geldzuflüsse. Diese
Unterschiede lassen sich weder eindeutig auf die konkrete Form der Krise im jeweiligen Land noch auf Lobbyismus der Banken zurückführen. Vielmehr sind die Struktur des Finanzsektors und die institutionellen Beziehungen zwischen Banken und Regierungen eines Landes von zentraler Bedeutung.
Jens Beckert Die Finanzkrise ist auch eine Vertrauenskrise
Beitrag im MPIfG Jahrbuch 2011-2012
Der im Herbst 2008 in Deutschland gerade noch verhinderte Bank Run wirft ein Licht auf einen unverzichtbaren, jedoch wenig beachteten Koordinationsmechanismus wirtschaftlichen
Handelns: Vertrauen. Jens Beckert zeigt am Beispiel der Finanzkrise, dass Vertrauen in modernen Gesellschaften ein zentraler Handlungsmechanismus in der Ökonomie ist.
2010
Renate Mayntz Die transnationale Ordnung globalisierter Finanzmärkte: Was lehrt uns die Krise?
MPIfG Working Paper 10/8
In diesem Papier geht es nicht um die voraussichtliche künftige Ordnung der globalen
Finanzmärkte nach der Krise, sondern um die Frage, warum der Reformprozess zeitlich,
sachlich und sozial hinter dem zurückbleibt, was 2009 von Wissenschaft, Politik und
Öffentlichkeit einhellig für notwendig gehalten wurde. Eine Antwort auf diese Frage
verlangt eine prozessorientierte Perspektive, in deren Zentrum die interaktive Interdependenz
zwischen Regulierern und Regulierten, der Beschaffenheit der Regelungsstruktur
und der Beschaffenheit des Regelungsfeldes steht.
Newsletter Gesellschaftsforschung, Ausgabe 1|10 Politik im Defizit
Gereifte Leistungsansprüche des Sozialstaats, der Schuldendienst und die Auswirkungen der Finanzkrise lassen den Spielraum für innovative Politik schrumpfen und verlangen nach institutionellen Reformen. Neue Forschungsprojekte am MPIfG analysieren die aktuellen Entwicklungen und fragen nach den Handlungsoptionen für Politik und Wirtschaft.
Martin Höpner, Wolfgang Kowalsky Auflösung oder mehr Integration?
Magazin Mitbestimmung, Spezial Eurokrise | 7+8/2010
Die Finanzkrise hat die Schieflagen der Europäischen Währungsunion mit einem Schlag offengelegt. ... Was sind die Konstruktionsfehler des Euro, was läuft schief beim derzeitigen EU-Krisenmanagement? Das haben wir jetzt auch Martin Höpner vom Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln gefragt und Wolfgang Kowalsky, Referent beim Europäischen Gewerkschaftsbund in Brüssel.
Fritz W. Scharpf Solidarität statt Nibelungentreue
Beitrag in der Berliner Republik | 12.07.2010
"Eine 'Europäische Wirtschaftsregierung' gilt heute vielen als letzter Ausweg aus der Euro-Krise. Doch je mehr diese in die nationale Politik eingriffe, desto heftigeren politischen Widerstand würde sie in den einzelnen Mitgliedsländern provozieren - und der Integration Europas zuwiderlaufen."
Wolfgang Streeck Konservative machen leichter Schulden
Interview in der taz | 05.07.2010
"Seit über 40 Jahren hat jede Regierung den Schuldenberg erhöht. Wolfgang Streeck vom Max-Planck-Institut über falsche Sicherheit, Luftbuchungen und warum Linke eher sparen."
Fritz W. Scharpf Mehr Europa, weniger Euro
Frankfurter Rundschau | 16.06.2010
"Die Rettungsaktion zur Bewältigung der Euro-Krise verletzt die Verträge von Maastricht und Lissabon; ihre ökonomische Wirksamkeit ist zweifelhaft; und wenn sie fehlschlägt, werden die Euroländer exorbitante finanzielle und ganz unkalkulierbare politische Kosten bewältigen müssen."
2009
Jens Beckert Die Anspruchsinflation des Wirtschaftssystems
MPIfG Working Paper 09/10
"Eine Krisentheorie des Kapitalismus muss heute viel stärker die intrasystemischen Funktionsvoraussetzungen des kapitalistischen Wirtschaftssystems berücksichtigen."
Sandra Mitchell, Wolfgang Streeck Unfälle und Unerwartetes erwarten
Essay im Handelsblatt | 20.11.2009
"Die Wirtschaftswissenschaften können Märkte nicht berechenbar machen. Sie müssen sich von der Illusion strikter Gesetzmäßigkeit lösen, die zur Finanzkrise beigetragen hat. Regeln und adaptives Handeln helfen uns weiter."
Wolfgang Streeck Und wenn jetzt noch eine Krise käme?
Essay zur Zukunft des Kapitalismus in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung | 08.09.2009
"Die Rettung muss gelingen, sie muss bald gelungen sein, und sie wird lange nicht wiederholbar sein. Auch deshalb wird sich die Politik nie wieder dazu verstehen können und dürfen, der Wirtschaftsklasse bei der Vermehrung des Kapitals freie Hand zu lassen."
Jürgen Beyer Kein Weg zurück: Die Zukunft der Finanzmärkte
Beitrag im
Forschungsmagazin der Universität Hamburg, 01.06.2009 | 01/2009, S. 12-18
"Die internationale Verbreitung einer am Aktionärsinteresse ausgerichteten Unternehmensführungs- und Kontrollpraxis hat die Entstehung der Finanzkrise begünstigt. Die Entwicklung einer weniger risikobehafteten globalen Finanzmarktarchitektur ist heute dennoch eher in Sicht als die Rückkehr zu den alten nationalen Strukturen der Deutschland AG. [Mit Grafiken von Lothar Krempel]"
Wolfgang Streeck Rückkehr des Staates oder Ende der Politik?
Essay im Handelsblatt | 10.03.2009, Nr. 48, S. 9
"Die Finanzkrise hat dazu geführt, dass das Ende der Handlungsfähigkeit des Staates als Konfliktversicherer, Lückenbüßer und Retter absehbar geworden ist. Das ist wahrscheinlich ihr nachhaltigster Effekt: dass sie die halbherzigen Konsolidierungsversuche des letzten Jahrzehnts beendet. Zutiefst alarmierend an dem neuerlichen Wachstumsschub bei den Staatsschulden ist, dass er kein einmaliger Zwischenfall ist, sondern die Fortsetzung eines langen, aber eben nicht unendlich verlängerbaren Trends."
2008
Wolfgang Streeck Lektion zum Kapitalismus
Essay zur Bankenkrise in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung | 28. September 2008
Nicht die Krise ist das große Rätsel des Kapitalismus, sondern die Fiktion der Stabilität. Menschen können das schwer begreifen; denn sie brauchen Sicherheit und Heimat. Der Markt wird ihnen das nie gewähren.