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 Forschungsprojekte am MPIfG

Wirtschaftsprognosen aus der Kristallkugel? Zur Erklärung der steigenden Bedeutung von Wirtschaftsexpertise bei der EU-Fusionskontrolle

Sebastian Billows


 
Seit den 1970er-Jahren unterliegt die Wettbewerbspolitik weltweit einem erheblichen Wandel. Ausgehend von den USA hat sich mittlerweile in ganz Europa bei Kartell- und Fusionskontrollbehörden das Verhalten verbreitet, Unternehmenskonzentrationen zunehmend zu ignorieren und die Aufmerksamkeit auf die Themen "Effizienz" und Markteintritt zu verlagern. Die Literatur zur Politischen Ökonomie und zur transnationalen Diffusion politischer Vorstellungen deutet dies als Ergebnis des Bedeutungsgewinns eines ökonomischen Sachverstands US-amerikanischer Prägung, der zulasten des von Juristen propagierten "formalen", juristischen Ansatzes geht. Das Projekt ist sich des bedeutenden Einflusses bewusst, den unterschiedliche Berufszweige auf die Formulierung von Wettbewerbspolitik haben, und erforscht vor diesem Hintergrund die Durchsetzung wettbewerbspolitischer Maßnahmen auf mikropolitischer Ebene. Es schildert am Beispiel der EU-Fusionskontrolle die semantischen Schlachten zwischen der EU-Kommission und den Großunternehmen, die ihre Unternehmenszukäufe genehmigen lassen möchten. Bei diesen kontrovers geführten Debatten über zukünftige Situationen an den Märkten dienen komplexe ökonomische Instrumente praktisch als "Kristallkugel", mit deren Hilfe Aussagen über den Nutzen einer Fusion gerechtfertigt werden können. Projektdauer: Oktober 2017 bis Oktober 2019.
 

 
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