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 Forschungsprojekte am MPIfG

Politische Repräsentanz von Frauen im postsowjetischen Raum: Einflussfaktoren auf die (Wieder-)Wahl

Kristina Gushchina


 
In den letzten Jahrzehnten ist das Problem der Unterrepräsentanz von Frauen in der Politik besonders deutlich geworden. Laut Daten aus dem Jahr 2017 beträgt im weltweiten Durchschnitt ihr Anteil an der Legislative in Einkammerparlamenten bzw. im Unterhaus von Zweikammerparlamenten 23,4 Prozent, auf Ministerialebene 18,3 Prozent und in der Justiz 27 Prozent. Bedenkt man, dass Frauen rund die Hälfte der Weltbevölkerung ausmachen, wird ihre starke Unterrepräsentanz in staatlichen Behörden besonders deutlich. Außerdem ist die weibliche Repräsentanz in der Politik in den verschiedenen Regionen der Welt und auch in einzelnen Ländern sehr unterschiedlich ausgeprägt. Dennoch gibt es unter Wissenschaftlern bisher keinen Konsens darüber, welche Faktoren hierfür verantwortlich sind. Einige Faktoren haben einen höheren Erklärungswert in politisch und sozioökonomisch entwickelten Ländern, andere in Entwicklungsländern. Die 15 Länder des postsowjetischen Raums zählen zu den bisher nur wenig erforschten Regionen. Ziel des Dissertationsprojekts ist es, diese Lücke in der Literatur zu schließen. Hierzu führt es die erste quantitative Langzeituntersuchung von Faktoren der Makro- und der Mikroebene durch, die sich zwischen 1991 und 2015 in diesen Ländern auf die politische Repräsentanz von Frauen ausgewirkt haben. Projektdauer: Oktober 2016 bis März 2020.  
 
Veränderte Ernährungsgewohnheiten und Konsummoral: Fleischkonsum in Deutschland aus soziologischer Perspektive  
 
Laura Einhorn (Dissertation)  
 
Gegenwärtig werden Konsumpraktiken in den reichen Ländern der westlichen Welt von vielfältigen Moralvorstellungen über normativ „richtiges“ Handeln geprägt, das dadurch sozial akzeptiertes Verhalten der Konsumenten am Markt bewirkt. Während einige Autoren eine Individualisierung der Praktiken des Konsums beobachten, betonen andere die Bedeutung sozioökonomischer Merkmale für die Ausprägung individueller Präferenzen und Normen. Der Konsum von Lebensmitteln – als höchst gesellige Praxis, die oft unmittelbar sozialen Kontroll- und Einflussmechanismen unterliegt – eignet sich insbesondere, um die Prägung von Konsumpraktiken durch unterschiedliche soziale und kulturelle Normen zu erforschen.,. Diese können Verhaltensänderungen bewirken, insbesondere, wenn eine Fülle von Moralvorstellungen darüber besteht, was man essen sollte. Dieses Dissertationsprojekt untersucht als paradigmatischen Fall den Fleischkonsum in Deutschland sowie die Verhaltensmuster zu dessen Reduzierung. Hierbei erforscht es a) die soziale Stratifizierung des Konsums eines viel diskutierten Lebensmittels sowie dessen Veränderung im Zeitablauf und b) den Einfluss der Tischgemeinschaft sowie der öffentlichen Darstellung unterschiedlicher Ernährungsnormen auf den Fleischkonsum. Projektdauer: Oktober 2016 bis März 2020.  
 
Privatisierung von Staatseigentum: Die Entstehung marktbasierter Politik auf transnationaler Ebene und ihre Implementierung in Frankreich  
 
Marie Piganiol  
 
Wie in vielen Ländern Europas privatisiert der Staat auch in Frankreich Grundbesitz und Immobilien der öffentlichen Hand, um Einnahmen zu erzielen und öffentliche Schulden zu tilgen. Die Entwicklung dieser marktbasierten Politik wirft grundlegende Fragen über derzeitige staatliche Umstrukturierungen auf: Weshalb privatisieren Staaten nun Grundbesitz und Güter der öffentlichen Hand, nachdem sie jahrhundertelang für deren Zentralisierung gekämpft haben? Weshalb geben sie nun Marktmechanismen den Vorrang vor sozialer und politischer Regulierung, nachdem sie sich das 20. Jahrhundert hindurch der Vermarktlichung von Grundbesitz und Wohnraum widersetzt haben? Dieses Projekt erforscht in Europa und innerhalb der staatlichen Einrichtungen Frankreichs das Aufkommen und die Verbreitung der politischen Reformer sowie die Entwicklung ihrer Fachkompetenz, wobei es eine Mikro- und eine transnationale Perspektive verbindet. Auf der Grundlage von Politischer Soziologie und Wirtschaftssoziologie wird das Ziel einer empirisch-analytischen Darstellung über diese Politik und deren politische Ergebnisse verfolgt. Projektdauer: Oktober 2017 bis Oktober 2019.
 

 
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