Lothar Krempel und Thomas Pluemper:     Internationale Arbeitsteilung und globale oekonomische Prozesse : Analysen des Welthandels von Autos mit Handelsdaten


Internationale Arbeitsteilung und globale Ökonomie

Das Bild einer immer stärker verflochtenen Weltwirtschaft, der damit einhergehende Strukturwandel, die Frage nationaler Wettbewerbsfähigkeit und der Konkurrenzfähigkeit von Standortfaktoren dominiert heute viele politische Diskussionen. Globalisierung, das zentrale Schlagwort dieser Diskussionen, beschreibt einen wirtschaftlichen Prozeß, der seine Dynamik aus veränderten Investitions-, Produktions- und Vertriebsentscheidungen der Unternehmen bezieht.

Als Indikatoren für die fortschreitende Globalisierung dient der zunehmende Grad der Weltmarktintegration, die Internationalisierung der Unternehmen und die Existenz eines globalen Finanzmarktes. Als Konsequenz der Globalisierung wird eine zunehmende Standortkonkurrenz zwischen den Nationalstaaten um die Ansiedlung von Unternehmen beziehungsweise um die Lokalisierung deren Geschäftstätigkeit aufgefaßt. International operierende Unternehmen sind im Prinzip in der Lage, ein internationales Gefälle von Produktionsfaktoren auszunutzen, um Wettbewerbsvorteile gegenüber ihren Konkurrenten zu erreichen. Als eine für die Industriestaaten beunruhigende Folge einer solchen Situation wird eine massive Abwanderung von Arbeitsplätzen bzw. die Verlagerung von Teil-Produktionen in Billiglohnländer im Zuge einer Verlagerung zentraler Stufen der Wertschöpfungskette in Niedriglohnländer erwartet.

Ein Markt, dem alle Probleme einer sich fortschreitend entwickelnden globalisierenden Wirtschaft zugeschrieben werden, ist der internationale Automobilmarkt: Autos sind das Industrieprodukt, das den größten Einzelposten in der Welthandelsstatistik und der Exporte vieler hochindustrialiserter Staaten ausmacht. Die internationale Bedeutung des Autohandels wird deutlich, wenn man sich die folgenden Sachverhalte vor Augen führt:

Zusätzlich ist dieser Markt gegenüber anderen Wirtschaftssektoren durch eine vergleichsweise kleine Anzahl von Produzenten gekennzeichnet von denen wiederum ein großer Teil transnational tätig ist. Dies ist unter anderem Folge der der Investitionsgrößenordnungen die erforderlich sind, um industriell produzieren zu können. So benötigen Montagewerke geringere Produktionsvolumina um wirtschaftlich betrieben werden zu können als Motorenwerke, Motorenwerke wiederum geringere Stückzahlen als Preßwerke in denen ganze Karosserien produziert werden. Unter den Bedingungen einer industriellen Massenproduktion ist die Besonderheit des Automobilmarktes die, daß die Produktion mit zunehmender Größe rentabler wird, bzw. eine bestimmte Mindestgröße der Produzenten erforderlich ist, um wirtschaftlich wettbewerbsfähig zu sein. Automobilmärkte sind in diesem Sinn durch ihre economies of scale gekennzeichnet: eine Industrie mit einer vergleichsweise großen Anzahl transnationaler Unternehmen deren Produktionsentscheidungen grosse Finanzvolumina bewegen und damit starke Auswirkungen auf nationale Handelsbilanzen haben.

Entsprechend hohe Priorität haben vielfältige Formen von unterstützenden bzw. regulativen Eingriffen die vierschiedenartige Formen annehmen können:

Zum einen ist die Produktion von ein Autos ein komplexer Prozeß in dem die Aktivitäten vieler Zulieferer durch einen Hersteller organisiert werden , der darüber hinaus ein geeignetes Vertriebsnetz aufbauen muß. Andererseits ist die Technologie zur Produktion von Autos eine vergleichsweise reife Technologie, die damit prinzipiell auch Schwellenländern offensteht.


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