Lothar Krempel und Thomas Pluemper:     Internationale Arbeitsteilung und globale oekonomische Prozesse : Analysen des Welthandels von Autos mit Handelsdaten


Der Analyse dritter Teil: Wachstum und struktureller Wandel des Weltmarkts für  Autoteile

Die zuvor entwickelten Analyseschritte erlauben nun, den möglichen Folgen einer sich globalisierenden Weltwirtschaft unter besonderer Beachtung einer etwaig intensivierten internationalen Arbeitsteilung und/oder der Verlagerung von Produktionsstätten nachzugehen. Dies geschieht im folgenden durch Hinzunahme der Daten aus dem Bereich des Welthandels von Autokomponenten. Hinweise auf eine transnationale Organisation der Produktion von Autos lassen sich durch einen Vergleich der Komponentenlieferungen mit den Handelsstrukturen von Autos als Fertigprodukten thematisieren und systematisieren.

Zunächst werden wir dabei ausschließlich den Komponentenhandel und sein Wachstum zwischen 1980 und 1994 betrachten. In der folgenden Abbildung haben wir die Handelsströme für Komponenten in 1994 je nach Ausmaß ihres Wachstums gegenüber 1980 eingefärbt. Rote Pfeile markieren Handelströme in 1994, die gegenüber 1980 stark gewachsen sind und zwar um mehr als das dreifache. Entsprechend sind tiefblaue Handelsströme solche, die wertmäßig gegenüber 1980 abgenommen haben. Die Ex- und Import-Symbole für die verschiedenen Länder aggregieren entsprechend die jeweiligen landespezifischen Im- und Exportbeziehungen und zeigen hier die jeweiligen Volumina der Handelsflüsse in 1994 die stark zu bzw. abgenommen haben als Anteile an den Gesamtimporten oder Exporten. Eine "rote Torte" (Japan) kennzeichnet demnach ein Land, dessen Komponentenhandel mit allen Laendern deutlich gewachsen ist, eine "blaue Torte" (Canada) ein Land, in dem das mit keinem Land der Fall ist.

Starkes Wachstum im Teilehandel findet sich für Mexico und Japan und bei geringerem Ausgangsvolumen für Korea. Im europäischen Cluster gilt dies für Großbritannien und Spanien und im geringeren Umfang auch für Deutschland (wobei die Veraenderungen auf der Importseite die Veraenderungen der Exportseite dominieren) .

Der Teilehandel von Japan und Deutschland als wichtigste Exporteure ihrer jeweiligen Cluster findet vornehmlich mit kleineren Ländern in der Peripherie der Gesamtstruktur statt: Empfänger japanischer Teilelieferungen sind  Taiwan, Thailand und Korea. Die USA exportieren Teile vor allem nach Canada, Mexico und Australien. Hohe Anteile deutscher Teilelieferungen finden sich im Handel mit Mexico, Brasilien und Argentinien.

Die hohen Anteile von Komponentenlieferungen von den USA nach Canada sind älter als der Datensatz und fallen in einer Analyse der Veränderung zwischen 1980 und 1994 nicht ins Gewicht. Zwischen 1980 und 1994 ist der Anteil des Teilehandels relativ zum Autohandel nicht weiter gewachsen. Japans Teilelieferungen haben insgesamt stark zugenommen und gehen bis auf Lieferungen nach England mehrheitlich in die Peripherie des nordamerikanisch japanischen Clusters. Deutsche Ex- und Importe sind vor allem nach GBR und ESP gewachsen.

Angelpunkte der internationalen Komponentnenproduktion finden sich damit in beiden Clustern des Weltautohandels: im nordamerikanisch-japanischen Cluster sind insbesondere Japan, Mexico und Korea stark and der Zunahme von Komponentenlieferungen beteiligt. Im europäischen Cluster gilt dies vor allem für England und Spanien und auch für Deutschland.

Der Analyse vorläufiges Fazit: Teilehandel zwischen Importsubstitution und internationaler Arbeitsteilung

Die Frage nach einer transnationalen Organisation der internationalen Automobilproduktion kann man nun durch eine Charakterisierung der Gesamthandelströme von Auto und Komponentenliefereungen beantworten. Dazu kennzeichnen wir die Gesamtlieferungen durch den Anteil der Komponentenlieferungen für 1994: Wenn der Handel zwischen zwei Ländern fast auschließlich auf Komponentenlieferungen beruht, zeigt sich entweder eine arbeitsteilige Produktion im Sinne einer verlängerten Werkbank oder aber eine Endmontage im Zielmarkt. In der untenstehenden Abbildung sind entsprechend Handelsströme die fast ausschließlich aus Komponentenlieferungen bestehen rot eingefärbt. Dunkelgrün kennzeichnet den Handel der fast ausschließlich aus kompletten Fahrzeugen besteht.

Ratio of parts to cars + parts in 1994

Dunkelgrüne Handelsflüsse finden wir vor allem zwischen den beiden Clustern des Weltautohandels. Dies verdeutlicht, daß zwischen der europäischen und der nordamerikanisch-asiatischen Region überwiegend Automobile gehandelt werden.

Hinsichtlich der Teilelieferungen lassen sich nun wie eingangs erwähnt zwei Fälle unterscheiden. Hohe Anteile von Komponenten werden sich zum einen dort finden, wo Montagewerke im Zielland den lokalen Markt bedienen. Ein solches Muster findet sich oft für kleinere Märkte und weniger entwickelte Länder und ermöglicht diesen Ländern die Importsubstitution von teueren Fertigprodukten in denen zusätzlich zu den Komponenten noch die Arbeitskosten des exportierenden Landes enthalten sind. Gleichzeitig gestattet die Montage im Zielland den Aufbau eigener Industrien und die Schaffung einiger Arbeitsplätze. Tatsächliche Importsubstitutionen gehen mit einer relativen Abnahme der Importe von Fertigprodukten (Autos) einher, bzw. sind durch die Abwesenheit von Autoimporten gekennzeichnet.

Hinweise auf eine internationale Arbeitsteilung, die transnationale Organisation der Automobilproduktion, finden sich in denjenigen Ländern, in denen hohe Anteile von Autokomponenten  bei den Importen entsprechend hohen Anteilen von Fertigprodukten bei den Exporten gegenüberstehen. Solche Paare von stark verschiedenfarbigen Handelsströmen weist vor allem das nordamerikanische Cluster auf: die Exporte der USA bestehen zu einem hohen Anteil aus Teilen, die wichtigsten Empfängerländer dieser Exporte sind Canada und Mexico. Während volumenmäßig der Handel mit Canada dominiert, ist das Muster für den Handel mit Mexico eindeutiger: Mexico importiert fast ausschließlich Autokomponenten und exportiert vornehmlich Fertigprodukte.

Derartige Handelsmuster finden sich in Europa nicht oder aber sie sind nur schwach entwickelt. So findet sich zwar ein komplementärer Handelsstrom von Komponenten aus Frankreich nach Spanien und ein reziproker Export von Autos von Spanien nach Frankreich, doch diese Struktur ist weit weniger deutlich entwickelt als die prinzipiell ähnliche Struktur zwischen den USA und Mexiko. Für Deutschland existiert dieses Muster mit Bezügen von Komponenten: so im Handel mit Österreich und in gleicher Weise aber in weniger dominierender schwächerer Form im Handel mit Großbritannien: auch hier bezieht Deutschland die Komponenten und liefert fast ausschliesslich Fertigprodukte. Entgegen der nordamerikanischen Form von Arbeitsteilung sind hier also eher einige Zulieferer internationalisiert, wogegen die Produktion der Fertigprodukte nach wie vor im Inland stattfindet.


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